Die Stadt

Eingebettet in die Kulturregion des Weserraums liegt der Landkreis Schaumburg. Sein Umfang entspricht annähernd der Größe der ehemaligen Grafschaft Schaumburg im 16.Jhd., als Stadthagen die Residenz der Grafen von Holstein-Schaumburg war. Heute bildet die Kreisstadt wieder das Zentrum des Schaumburger Landes. 

Am Helweg, einer der wichtigsten Ost-Westverbindungen im mittelalterlichen Nordeuropa von Graf Adolf III. im Jahre 1222 gegründet, entwickelte sich Stadthagen im Zeitalter der Renaissance zu einer blühenden Residenzstadt. 

Umschlossen vom Oval der Wallanlage hat der historische Stadtkern das Straßennetz des Mittelalters, wie es der Stadtplan von 1784 darstellt, unverändert bewahrt (siehe unten). Von der Stadtmauer sind der „Runde Turm“ am Viehmarkt und der Turm am Vorwerk erhalten geblieben. 

Der südliche Stadtbezirk wird vom Schloss mit dem Vorwerk, dem Adelshof derer von Landsberg, heute Stadtbibliothek und dem ehemaligen Franziskanerkloster dominiert. Die Mitte bildet der Marktplatz mit dem „Alten Rathaus“. Daran schließt nach Osten der Kirchhof an, mit der Stadtkirche St. Martini, dem Mausoleum des Fürsten Ernst und der Lateinschule. Der nördliche Stadtbezirk wird von dem prächtigen Fachwerk der Bürgerhäuser geprägt.

Das den Markt dominierende "Alte Rathaus" wird zwischen den hohen Stirngiebeln an der Traufseite durch zwei Zwerchhäuser gegliedert. Obwohl erst zwischen 1595 und 1602 errichtet, wird das Motiv des "welschen Giebels", das bereits den frühen Renaissancebau des Schlosses prägt,  wieder aufgenommen. Dem schmucklosen Baukörper sind drei Erker angefügt, deren Bekrönungen mit Rollwerk, Obelisken und Vasen gebildet werden. Aus den zentralen Medaillons schauen Kriegerköpfe auf den Betrachter herab. Die sehr qualitätsvolle Bauplastik stammt von Arendt Robin, der auch die Kamine im Schloss fertigte. Als letzte Erweiterung wurde 1602 eine Utlucht über zwei Etagen am Ostgiebel angefügt. Deren Zierrat nimmt die älteren Motive Robins wieder auf, allerdings nicht in der gleichen künstle-rischen Qualität. 
Unter dem mittleren Erker der Marktseite hängt eine Walrippe. Eine Erinnerung an die Zeit der "Hollandfahrer", Saisonarbeiter auf holländischen Heringsfängern. 

Die Amtspforte,
heute städtisches Museum


Der Marstall,
 rechts der Nordflügel des Schlosses


Das "alte Rathaus"
mit Ratskeller und Touristinformation

Im jüngst renovierten Ratskeller ist der Bilderzyklus "Impressionen der Renaissance" von Theodor Vollmer ausgestellt. Er interpretiert das Thema Renaissance in Stadthagen auf moderne Weise. Von der historischen Ausstattung  ist wenig erhalten, umso wertvoller für die Stadtgeschichte ist das von Hermann Moller 1623 für die Ratsstube gemalte "Gerechtigkeitsbild" im heutigen Trauzimmer. 

In mitten der stattlichen Fachwerkhäuser und neben den reich dekorierten  Fassaden der Gründerzeit steht am Markt das mit  Volutengiebeln geschmückte ehem. städtische Brauhaus. Um 1610 errichtet, ist es mit seiner hohen Utlucht über drei Stockwerke und der feinen Gliederung mit Simsen, Konsolen und Säulen ein ausdruckstarkes Beispiel für den Stil der späten Renaissance im Weserraum.

Von der Obernstraße durch einen schmalen Gang zu erreichen ist der Landsbergsche Hof. An den Wallanlagen gelegen schließt dieser "adlige Freihof" an das ehem. Vorwerk des Schlosses an. 


Marktplatz,
links das ehem. Brauhaus
Ottrave von Landsberg, sein Epitaph befindet sich in der St. Martinikirche, erbaute das Haupthaus 1532. Der schlichte Bau besitzt als einzigen Zierrat auf den Giebeln noch gotische Fialen. Ein besonderes Ausstattungsstück des Renaissancebaues waren die mit Reliefs geschmückten sog. Beischlagwangen. Leider befinden sie sich nicht mehr in Stadthagen. 
Seit der  grundlegenden Umgestaltung der Fassaden im 18.Jhd. bestimmen die Proportionen des Barock den Gesamteindruck. Neben der heutigen Stadtbücherei befindet sich auf dem Gelände in einem ehem. Wirtschaftsgebäude das Stadtarchiv. 

Von hier sind es nur wenige Schritte zur Lateinschule. Das 1565 unter Otto IV. errichtete Schulgebäude hat einen Durchgang zur Stadtkirche, dessen Kreuzrippen-gewölbe noch im gotischem Stil ausgeführt wurde. 


Der Turm am Schlossvorwerk,
dahinter der Landsbergsche Hof
Die Lateinschule geht auf eine bereits um 1330 gegründete Vorgänger-einrichtung zurück, die den Bürgersöhnen Stadthagens die Vorbereitung auf ein Studium ermöglichte. Die Bestrebungen des Grafen Ernst, der vor seinem Studium die Schule in Stadthagen besucht hatte, gingen dahin, neben den 7 höheren Schulen in der Grafschaft Schaumburg eine Universität zu gründen.
Im Jahr 1610 wurde das akademische Gymnasium  in dem ehem. Franziskanerkloster feierlich eröffnet. Es umfasste die Fakultäten: Theologie, Philosophie, Jurisprudenz und Medizin. Durch das kaiser-liche Privileg wurde sie 1620 zur Universität erhoben, diese wurde ein Jahr später aus Platzmangel nach Rinteln verlegt.

Vom Franziskanerkloster ist, versteckt hinter hohen Mauern nur der Chor der Kirche erhalten geblieben.
Das Grafenhaus von Holstein-Schaumburg stand den Franziskanern sehr nahe. Bereits , Graf Adolf IV. brachte den Orden in die von ihm gegründete Stadt Kiel und trat 1239 dem Konvent bei.


Die ehem. Lateinschule
dahinter das Mausoleum

Die Grafen Erich und Anton  unterstützten die Ansiedlung der Franziskaner in Stadthagen. Das Kloster wurde ab 1486 errichtet, im Jahr 1500 erfolgte die Weihe. Bis zur Einführung der Reformation durch Graf Otto IV. im Jahr 1559 war der Franziskanerkonvent der geistliche Mittelpunkt der Stadt. 1732 erhielt die refor-mierte Kirchengemeinde die leerstehenden Gebäude, die nach und nach bis auf den Chor abgebrochen wurden. Dieser dient noch heute als Gemeindekirche.

Das Kloster besaß eine für die Zeit umfangreiche Bibliothek. Die Bücher wurden nicht in Schränken verwahrt, sondern lagen angekettet und nach Themen sortiert auf Pulten. Von den zum Teil reich illustrierten frühen Drucken der Franziskanerbibliothek haben sich 85 Kettenbücher erhalten.  


Die Kirche des Franziskanerklosters
Rekonstruktionszeichnung
 von Theodor Vollmer 2007

Schloß Stadthagen Lusthaus im Schloßgarten Amtspforte Vorwerk Landsbergscher Hof Lateinschule Mausoleum St. Martinikirche Rathaus Franziskanerkloster

"Grundriss der Gräflich Schaumburg-Lippischen Stadt Stadthagen nebst Schloss und denen nahe gelegenen 
Grundstücken und Landungen", farbige Zeichnung von Hauptmann und Landmesser Johann Christian Houpe, 1784.
Herkunft/Copyright: NLA - Staatsarchiv Bückeburg, Signatur: S 1 C Nr. 0002

Legende: A
B
C
D
E
Schloss
Lusthaus im Schlossgarten
Amtspforte
Vorwerk 
Landsbergscher Hof  
F
G
H
I
K
Lateinschule
Mausoleum
St. Martinikirche
Rathaus
Franziskanerkloster
Zusatzinformation zu folgenden Themen:

Das Gerechtigkeitsbild im "Alten Rathaus"
Die Reliefplatten vom Landsbergschen Hof

Weiterführende Literatur