Mitte des 18. Jhds. ließ Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe im Schaumburger Wald das Sommerschloss Baum errichten. Zentraler Teil der heute verwilderten Gartenanlage ist ein runder Teich, dessen Aushub zu einem "Schneckenberg" gebildet wurde, diesen verdeckt eine Bruchsteinwand mit drei Nischen, die von zwei Portalen flankiert wird. Diese beiden Portale sind identisch mit den, von den Ebbert d.Ä. und Hans Wolff 1604-06 im Auftrag von Graf Ernst für den "Grossen Saal" im  Südflügel des bückeburger Schlosses gefertigten steinernen Türgerichten. 

Die vollplastischen Figuren in den Nischen des "Wasserportals" zeigen Perseus und Andromeda. Die Figuren einer Nereide und eines Triton leiten zur zentralen Gestalt des Poseidon über. Das Relief zeigt ein Nymphenbad mit der Geschichte des Actaion.

Der Figurenschmuck des "Musikportal" ist nur fragmentarisch erhalten, sodass eine thematische Zuordnung nicht mehr möglich ist. Dargestellt sind ausschließlich weibliche Figuren, drei von ihnen halten Streich- und Zupfinstrumente. Am "Was-serportal" sind noch Reste der farbigen Fassung sichtbar. Die Portale waren ganz oder teilweise auf einer ockerfarbenen Grundierung vergoldet, wie dies auch für die Außenportale von Schloss Bückeburg belegt ist.

Nach 1728 ließ Graf Albrecht Wolfgang das Schloss Bückeburg zeitgemäß im Stil des Barock umgestalten. Hierbei wurden die steinernen Portale des "Grossen Saals" herausgebrochen und "zum Gebrauch im garthen conservieret." Noch vor Abschluss der Baumaßnahmen brannten 1732 der Süd- und der Ostflügel  des Schlosses nieder. Von den einst neun sog. Türgerichten des Fürsten Ernst war danach im Schloss nur noch die "Götterpforte" im, vom Brand nicht betroffenen Nordflügel erhalten. Die Portale im Schlossgarten mussten 1758 den Festigungsanlagen des Grafen Wilhelm weichen und fanden ihren heutigen Platz bei Schloss Baum.  

Sie sind dort jedoch nicht die einzigen Spolien aus der ernestinischen Epoche. Vom ebenfalls im 18.Jhd. abgebrochenen "Neuen Tor" in Bückeburg stammen der monumentale Kopf eines römischen Kaisers und ein Adler, der ehem. die Bekrönung der Grotte bildete. Im Garten steht eine zerbrochene und falsch wieder zusammengefügte nackte Minerva mit Helm in lasziver Körperdrehung triumphierend über einem Drachen. Der Torso einer Sirene mit schuppigen Unterleib liegt bei der Grotte herum. Für das aufgeklärte 18.Jhd, waren derart erotische Mischwesen nur noch als Staffage in Gärten erträglich. 

Das heutige Erscheinungsbild ist nicht wesentlich abweichend von Darstellungen des späten 19.Jhds. Der ruinöse Erhaltungs-zustand wird bei der Wiederverwendung als sentimentales Element der Gartengestaltung den Ausschlag gegeben haben. Ruinenromantik findet sich zeitgleich auch in den Grottenanlagen von Bayreuth und Veitshöchheim, dort allerdings künstlich hergestellt. 

Das "Wasserportal" (oben) und das "Musikportal" (unten) links Rekonstruktionszeichnungen v. Paul Eichholz, 1899


 

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